TSCHETSCHEINIEN 2014-2016

„VERGESSENE KINDER AUS TSCHETSCHENIEN“

TSCHETSCHENISCHE REPUBLIK (ICHKERIA), RUSSISCHE FÖDERATION

Graphische Informationen aus der Umfrage der humanitären Organisation

Wie der Krieg in Tschetschenien Kinder
am Rand ausgeworfen hat

64 621
Kinder aus Tschetschenien brauchen dringende Hilfe
20 000
Kinder wurden getötet oder tödlich verletzt
450
Schulen wurden bombardiert oder zerstört
120 000
Kinder (von Vorschul- bis mittelschulischen Alter) sind von Bildung abgerissen
26 200
Kinder sind verwaist, ihre Nächsten im Krieg verloren ben (tot), Folge dessen
12 000
Kinder leben in den Auffanglagern, Waisenhäusern oder sind in die EU-Mitgliedstaaten ausgesiedelt

Background

Folgen nach zwei Kriegen in Tschetschenien

Die Tschetschenische Republik ist Bestandteil der Russischen Föderation mit mehrheitlich moslimisch-sunnitischer Religion.

Während das Leben in Moskau und St. Petersburg mit dem Leben in Washington oder London vergleichbar ist, leiden viele Randregionen unter Armut, Arbeitslosigkeit, ethnischen und Kriegskonflikten.

Ein der ärmsten Teilen befindet sich im Süden des Landes – Nordkaukasus-Region, welcher sich zwischen dem Schwarzen und Kaspischen Meer befindet, welches mit seinem Traditionstanz „Vainakh“ oder händisch gesticktem Kleidungsstück namens „Kaftan“, welcher mit einem großen Gurt befestigt ist, bekannt ist.

Dieser Teil der Russischen Föderation leidet weiterhin unter einer turbulenten politischen Geschichte, welche Anfangs 90-Jahre begonnen hat, als Tschetschenien versucht hat, als eine der ersten Provinzen sich von der politischen Überordnung der Russischen Föderation zu verselbständigen. Diese Tat hat einen gewalttätigen Konflikt hervorgebracht, welcher zwei blutige Kriege verursacht hat, deren Opfer unschuldige Kinder waren, welche von ihren Müttern aus ihren Häusern an Händen herausgetragen wurden.

Das terroristische Regimes, die Bombardierung während des Krieges in Tschetschenien verursachten Zerstörung von Kultur- und Bildungsinstitutionen sowie der sozialen und wirtschaftlichen Infrastruktur. Tausende von Menschen mussten ihre Häuser verlassen und die meisten von ihnen haben mehrere Jahre in den Auffanglagern gelebt.

Der Konflikt im Nordkaukasus zieht bis zum heutigen Tag nicht die Aufmerksamkeit der Gesellschaft oder der Medien, welche dieses unterdrückte Land verdient. Opfer sind die Meistverletzbaren, die tschetschenischen Orphans. Ein Grund für diese Behauptung ist die verschwiegene Wahrheit über das Verschwunden von Menschen, die sich dem strengen Regime in Tschetschenien nicht unterwerfen wollen.

Vor dem Beginn der Kämpfe im Jahr 1994 waren in Tschetschenien 450 Schulen, 11 mittleren Fachschulen und 3 Institutionen für die höhere Bildung. Gemäß den offiziellen Angaben der jetzigen Zeit sind in den meisten Gemeinden Schulen in einem „betriebsfähigen Zustand“, wo nur die Fensterrahmen ohne Änderung geblieben sind, das Glas fehlt und wurde durch eine Plastikfolie ersetzt. Die Klassen sind staubig, da ein extrem kalter Wind hineinweht und ein Bodenbelag nur eine Illusion für jede Bildungsinstitution ist. Ohne Wärme müssen alle Schulen geschlossen bleiben und können nicht früher als Ende April jedes Schuljahres wiedergeöffnet werden. An allen Schulen fehlt die Grundausrüstung, es sind nicht einmal genug Tische, Sessel, Schulbücher und Schulsachen, geschweige von spezialisierten Fächern wie Laborausrüstung da. Viele wichtige Fächer wie Mathematik, Physik, Chemie und Fremdsprachen sind nicht Bestandteil des Lehrprozesses, da es an Lehrern mangelt, dessen Folge eine dramatische Herabsenkung von Bildungsqualität ist.

In kleineren Gemeinden sind Schulen und pädagogisch-psychologische Institutionen seit dem ersten Krieg nicht in Betrieb, da es an Finanzmitteln mangelt. Praktisch alle Schulen im Gebirge wurden bei Bombardierungen und Beschuss während der zwei Kriege zerstört.

Niemand bereitet den Wiederaufbau dieser Schulen oder der Pädagogisch-Bildungsinstitutionen, welche in jetziger Situation unumgänglich sind! Es gibt kein Geld, keine geeignete Gebäude, sogar keine qualifizierten Lehrer, obwohl im stolzen und trotzigen Tschetschenien ein bis zwei Millionen Tonnen von qualitativem Erdöl jährlich gefördert werden, was bei jetzigen Preisen Finanzquellen in der Höhe von 200 Mio. USD darstellt.

In Gebirgsgemeinden ist mehr als eine Generation der Kinder ohne Bildung jeglicher Art, weder europäischer noch tschetschenischer, aufgewachsen. Diese Kinder wurden Opfer von Extremismus!

Die Inklusion von Kindern mit speziellen Bedürfnissen in die Gesellschaft und im Bildungssystem ist derzeit in Tschetschenien auf einem sehr niedrigen Niveau.

Die Lage wird immer schlimmer und die Anzahl von Kindern mit speziellen Bedürfnissen wächst ständig. Gemäß offiziellen Angaben von Ministerium der sozialen Entwicklung der Tschetschenischen Republik betreffend Jahr 2012 wurden folgende Prozentsätze der Kinder mit speziellen Bedürfnissen genannt: – mit eingeschränkter Bewegung (31,4 %), Atemproblemen (37,8 %) und Sinneswahrnehmung (20,9 %). Die meisten Kinder mit Sonderbildungsbedürfnissen sind in der Alterskategorie zwischen 0 – 4 Jahren (19,7 %), 5 – 9 Jahren (37,3 %) und 10 – 14 Jahren (31,2 %).

Während sich das staatliche Bildungssystem derzeit im großen Transformationsprozess befindet, inklusive der Inklusion von Kindern mit speziellen Bildungsbedürfnissen, scheint dieses bis zum heutigen Tag ein unendlich langer Prozess zu sein, wobei als Hauptproblem der Mangel von qualifizierten pädagogischen und gesundheitlichen Mitarbeitern genannt werden kann. Diese Lage verschlechtert sich noch dadurch, dass die traditionell konservative Einstellung die Kinder mit speziellen Bedürfnissen „unsichtbar“ in der Gesellschaft macht und wir Zeugen des Rückkehrs von Analphabetismus der vergessenen Kinder aus Kaukasusgebirge sind.

Projektaktivitäten

Zielgruppe

Aufgrund der Umfragen, die die Organisation NORPHAN im Jahr 2014 mit den Orphans aus Tschetschenien durchgeführt hat, die auf der Straße in Moskau und Groznyj leben und auf den dunklen Straßen des russischen Drogenkartells beim schlechten, frierenden Wetter Drogen verkaufen oder mit den Orphans, die im Waisenhaus in Gordal leben, folgt, dass diese nur ein gemeinsames Ziel haben – dass sie etwas zum Essen, Trinken und Dach über dem Kopf, warmes Bett und Zugang zur Bildung haben (sie träumen nicht von einer Spielkonsole unter dem Weihnachtsbaum oder zum Geburtstag). Die akute Situation der vergessenen tschetschenischen Orphans mit dem Ziel „zu überleben“ zwingt diese täglich Drogen für ein bisschen Essen auf der Straße zu verkaufen.

Nur mittels Sicherstellung des Zugangs zur Bildung, als den einzig realen Wegs zum Überleben, kann in spezialpädagogisch-psychologischen Zentren in tschetschenischen Städten Groznyj, Asinovskaja, Gordali, Oiskhara, den Opfern des Bürgerkrieges – den Orphans, Halbwaisen im Alter bis zu 18 Jahren mit speziellen Bildungsbedürfnissen, den Orphans, die oft unter psychische Störungen, verursacht durch den Krieg, gelitten haben, Orphans, die nur am Rande der Interessen der Gesellschaft sind und denen das grundlegende Recht in demokratischen Ländern – Recht auf Bildung weggenommen wurde – der Zugang zur Bildung, psychologischer, diagnostischer, beratungs- und präventiven Fürsorge zur Optimierung ihrer persönlichen, psychologischen und Bildungsentwicklung, sichergestellt werden. Den Orphans aus dem Kaukasus werden spezielle Therapien ermöglicht, wie Musiktherapie, Arbeitstherapie (gehör- und seebehinderte Kinder), Arttherapie (Kinder mit spezifischen Problemen, mit emotioneller Deprivation, Kinder mit Verhaltensstörungen, Konzentrationsstörungen) sowie psychomotorische Therapie, welche sich im psychischen Bereich auf psychische Entspannung konzentriert und für das Selbstbild und Selbstbewusstsein eine Schlüsselrolle spielt.

Kinder mit Sinnesstörungen leben in einem höheren Verletzungsrisiko und ihre Integration ins normale Leben erfolgt schwieriger. Sie müssen lernen, andere Sinne zur Erkennung von verschiedenen Gefahren in der Außenwelt zu nutzen. Unsere Hilfe will diesen Kindern eine volle Integration in das tägliche Leben ermöglichen. Trotz Wunden, die sie durch den Krieg erlitten haben, müssen sie lernen wieder zu lachen und eigenen Lebenssinn zu finden… Sie müssen trotz dem Erlebten weiter tun.